Walk of Life

Catch me if you can
Ich durfte in Positionen arbeiten, in denen mein Dossier auf dem klassischen Bewerbungsweg wegen fehlender akademischer Meriten wohl früh und ohne grosse Prüfung auf dem «C‑Haufen» gelandet wäre. So führte mich mein Weg unter anderem ins IT‑Changemanagement bei Swisscom, als Projektleiter zur Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und als Programmverantwortlicher für Ostafrika sowie Koordinator von WFP‑Projekten bei World Vision Schweiz. Die formalen Anforderungen lauten in der Regel: Masterabschluss in einem relevanten Fachgebiet und mehrere Jahre spezifische Berufserfahrung. Mein formaler Bildungsabschluss bis zu diesem Zeitpunkt: Berufsmaturität. Catch me if you can…

Aus Tugend wird Not
Dann hat es mich erwischt – trotz aller redlichen Bemühungen und einer deutlich unspektakuläreren Realität als im genannten Film mit Leonardo DiCaprio. World Vision Schweiz musste aufgrund einbrechender Spendeneinnahmen restrukturieren und einen grossen Teil der Belegschaft entlassen; ich war einer davon. Auf dem hart umkämpften Markt der Entwicklungszusammenarbeit mangelt es nicht an Bewerberinnen und Bewerbern mit akademischem Hintergrund, und ich fand nicht innert nützlicher Frist eine neue Stelle. Also entschied ich mich, vorübergehend auf einem Bio‑Landwirtschaftsbetrieb mitzuarbeiten. Aus dieser Zwischenlösung wurde eine neue Faszination: Ich begann ein Studium in Agrarwirtschaft (HF) und nahm eine Stelle bei einer kleinen internationalen Agrarhandelsfirma an. Das Thema Landwirtschaft blieb spannend, der konkrete Job jedoch wenig erfüllend.

Schreibenschaft
Durch all diese Stationen zog sich ein roter Faden: die Freude am Schreiben. Was zunächst beruflich nebenbei begann, wurde über die Jahre vor allem privat immer mehr zur Leidenschaft. Schliesslich hatte ich erneut Glück – und ein bisschen eigenes Zutun –, als ich ohne ausgewiesenen journalistischen Hintergrund bei einer Marketing‑ und Kommunikationsagentur mit Fokus auf Land‑ und Ernährungswirtschaft einsteigen konnte. Dort arbeitete ich journalistisch und übernahm unter anderem in einem Mandat die Rolle des Redaktionsleiters. Als unklar wurde, ob der Mandant die Redaktion längerfristig intern aufbauen würde und die übrigen Aufträge finanziell kaum tragfähig waren, wurde mir nach knapp zwei Jahren erneut aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt – äusserst bedauerlich, denn ich war ein gutes Stück weit in meiner Berufung angekommen.

Es geht weiter
Aber wie? Dieses Jahr werde ich 50. Aus persönlicher Sicht habe ich damit kein Problem. Aber wie sieht es aus der Perspektive eines potenziellen Arbeitgebers aus? Wer stellt jemanden ein, der keine über Jahrzehnte in einer Fachnische geschärften Spezialkompetenzen vorweisen kann, in einer Branche, die unter massivem ökonomischen und technologischen Druck steht?

Persönliche Motivation für das DSC-Projekt

Focus Media
Vom RAV wurde mir eine sogenannte «arbeitsmarktliche Massnahme» bei Focus Media (FM) empfohlen. Für diese Empfehlung bin ich meiner Beraterin bis heute dankbar. Das Programm bot mir nicht nur die Möglichkeit, mich in medienrelevanten Bereichen weiterzubilden, sondern brachte mich auch mit vielen kreativen und spannenden Menschen zusammen, die alle im selben Boot sitzen – teilweise seit über einem Jahr erfolglos auf Stellensuche, oft mit deutlich gradlinigerem Werdegang und hoher Qualifikation in ihrem Fach.

Inspiration
Geteilter Frust ist halber Frust. Und geteilte Inspiration ist doppelte Inspiration.
Aus weniger Frust und mehr Inspiration kam bei einem Feierabendbier mit Teilnehmenden von FM die Frage auf, ob und wie wir unsere unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen bündeln und uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen könnten. Aus dieser «Bier‑Idee» wurde ein erstes Konzeptpapier. In Rücksprache mit Coaches und Teilnehmenden bei FM wuchs die Überzeugung, dass im Markt eine Lücke zwischen der Weiterbildung bei FM und einer Anschlusslösung bei fortwährender Stellenlosigkeit besteht, die wir mit unserer Projektidee füllen könnten – und sollten.

Win‑Win‑Win‑Situation
In einem Kernteam engagierter Teilnehmenden haben wir rasch auch die Hürden identifiziert und festgestellt: Einfach wird es nicht. Geblieben sind aber die Überzeugung und das persönliche Commitment, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen, die Herausforderungen anzupacken und nicht nur uns selbst zu helfen, sondern auch künftigen Focus‑Media‑Teilnehmenden eine Perspektive zu bieten, um ihre erarbeiteten Skills in der Praxis weiterzuentwickeln. So entsteht eine Win‑Win‑Win‑Situation: für uns als Initiant:innen, die brachliegende Kompetenzen in eine konkrete Perspektive überführen; für die Teilnehmenden, die von Praxisprojekten und Netzwerken für ihre Arbeitsmarktintegration profitieren; und für die Gesellschaft, die über Focus Media in die Weiterbildung von Stellensuchenden investiert – und damit einen nachhaltigeren «Return on Investment» erzielt.

Weiter Informationen zu meiner Person findest Du auf: openaeye.me