Die Fragen!
„Man muss viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiss, fragen zu können.“
— Jean-Jacques Rousseau
Dieses Zitat trifft den Kern des Journalismus im KI-Zeitalter.
Denn wer gute Fragen stellen will, braucht Wissen, Bildung, Kontext – aber auch Empathie, Intuition und echte Neugierde. Und zumindest die drei letztgenannten Kompetenzen gehören nicht zu den Stärken einer KI.
Das «Prompten», also die präzise, kontextualisierte Formulierung einer Aufforderung bzw. Frage, ist nicht erst seit dem Aufkommen der Sprachmodelle wie Chat GPT relevant. Das gute, alte Handwerk des Fragens geht sogar darüber hinaus: Es erfordert die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Ein gutes «prompting» gegenüber Menschen nimmt gleichzeitig mindestens drei Blickwinkel ein – den des Gesprächspartners, des Publikums und des Kritikers (griechisch: kritikḗ téchnē – die „Kunst der Beurteilung“).
Wer je ein Interview geführt hat, weiss: Die spannendsten Momente entstehen nicht nur durch die Antwort als solche, sondern zwischen den Zeilen – im Zögern, im Lächeln, in der Irritation.
Ein Beispiel:
„Was ging Ihnen unmittelbar nach dem Torschuss durch den Kopf?“
Antwort: „Nichts. Am Ende des Tages zählt nur das nächste Spiel. Wir müssen 110 % geben.“
Anschlussfrage: „Wenn jeder 150 % geben würde – wäre dann der EM-Titel erreichbar?“
Folgt auf diese Frage ein Zögern, ein Lächeln oder Irritation?
Die Kunst des Fragens besteht nicht nur darin, ein Fragezeichen hinter einen Satz zu stellen, sondern auch spannende Antworten zu ermöglichen.
Echte Antworten – nicht nachgeahmte.